Variable Reflexionsnebel
Was sind Reflexionsnebel?
Reflexionsnebel sind Staubwolken, die häufig in der Nähe junger Sterne auftreten. Sie leuchten nicht selbst, sondern streuen das Licht benachbarter Sterne. Veränderlichkeit tritt auf, wenn der Zentralstern selbst veränderlich ist, eine Staubscheibe direkt um den Stern besteht (Abschattung) oder der Nebel sich nahe am Stern befindet (max. einige Lichttage Entfernung).
Reflexionsnebel galten lange als statisch. Von 1852 bis 2020 wurden nur 7 variable Reflexionsnebel entdeckt – meist als Beifang, ab 1977 ausschließlich von Amateuren. Profiastronomen haben das Thema nie systematisch bearbeitet.
Projektziele
Systematische Entdeckung und Analyse veränderlicher Reflexionsnebel sowie Nachweis der wissenschaftlichen Relevanz. Moderne Surveys können zeitliche Veränderungen zeigen, aber eine Analyse ist nicht automatisiert möglich und muss manuell durchgeführt werden. Durch die Digitalisierung historischer Himmelsdurchmusterungen stehen nun neue Datenquellen zur Verfügung.
Vorgangsweise
Ausgangsbasis ist die Datenbank des CCD-Guide des AAS, gefiltert nach Reflexionsnebeln – das ergibt ca. 850 Kandidaten. Nach Einschränkung (Helligkeitsvariabilität des Zentralsterns min. 1 mag, passende Nebelgröße) bleiben ca. 50 attraktive Kandidaten für die systematische Analyse.
Analyse
Am Nordhimmel können Aufnahmen der Himmelsdurchmusterungen DSS1 und DSS2 (digitalisierte Fotos) sowie des Sloan Digital Sky Survey (SDSS) geladen und verglichen werden. Die genannten Himmelsdurchmusterungen wurden von den USA aus mit leistungsstarken Teleskopen durchgeführt und stellen digitale Aufnahmen (SDSS) und digitalisierte Fotos (DSS1 und DSS2) zur Verfügung, welche im zeitlichen Abstand von ca. 40 Jahren gewonnen wurden. Wenn sich ein Objekt über die Zeit verändert, kann man das bereits durch den Vergleich von zwei Aufnahmen (Wechselblinken) gut erkennen.
Bei vielversprechenden Kandidaten folgen Untersuchungen mit weiteren historischen Datenquellen sowie modernen Surveys (ZTF, ATLAS) und Langzeit-Photometrie. Bei Fund eines neuen variablen Reflexionsnebels wird dann ein wissenschaftliches Paper erstellt und bei der BAV veröffentlicht.
| Nr. | Eigenname | Bezeichnung | Sternbild | entdeckt | Δ Jahre |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Hind's Nebel | NGC 1555 | Stier | 1852 | – |
| 2 | Corona Australis Nebel | NGC 6729 | Südliche Krone | 1861 | 9 |
| 3 | Hubble's Nebel | NGC 2261 | Einhorn | 1916 | 55 |
| 4 | Gyulbudaghian's Nebel | – | Kepheus | 1977 | 61 |
| 5 | McNeil's Nebel | bei M78 | Orion | 2004 | 27 |
| 6 | Thommen's Nebel | – | Einhorn | 2009 | 5 |
| 7 | Borisov's Nebel | – | Kepheus | 2020 | 11 |
| 8 | StraBe 1 | vdB 24 | Perseus | 2025 | 5 |
| 9 | StraBe 2 | GN 05.51.4 | Orion | 2025 | 0 |
| 10 | StraBe 3 | NSV 16694 | Orion | 2025 | 0 |
| 11 | StraBe 4 | vdB 27 | Taurus | 2026 | 1 |
Anmerkung: „StraBe" ist der von uns gewählte Objekteigenname, welcher von der Zentralbehörde in Strasbourg noch nicht bestätigt wurde. Einträge 8–11 in Rot = unsere Entdeckungen.
Ausblick
Ab 2026: Analyse weiterer Kandidaten auf der Nordhalbkugel, Erschließen neuer historischer Datenquellen und Start eigener Aufnahmereihen am Südhimmel über das Isabis Old Garden Observatory in Namibia. Fernziel ist die lückenlose Überprüfung aller Kandidaten und der Aufbau wissenschaftlicher Kooperationen.
Wissenschaftliche Papers
Van den Bergh 24 is a variable reflection nebula around XY Per
PDF – BAV Journal 104V1818 Ori and NSV 16694 are surrounded by variable reflection nebulae
PDF – BAV Journal 105vdB 27
In ArbeitMedienecho
AstroInfo Ausgabe 275
PDFVdS-Journal: Beitrag erscheint in Ausgabe April 2026.
Weiterführende Links
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Tief Belichtete Galaxien
Was sind Zwerggalaxien und Sternströme?
Zwerggalaxien umkreisen ihre Muttergalaxie und kommen häufig vor – auch unsere Heimatgalaxie hat Begleiter, etwa die beiden Magellanschen Wolken. Sternströme bestehen aus vielen Sternen und entstehen durch die gravitative Wechselwirkung von zwei oder mehr Galaxien, wobei Zwerggalaxien deformiert und in die Länge gezogen werden. Sie zeigen sich als fadenförmige Bögen, Bogensegmente oder elongierte Wolken um bzw. zwischen den Galaxien.
Zwerggalaxien und Sternströme sind zwar bekannt, blieben aber durch die geringe Empfindlichkeit historischer Kamerasysteme und unzureichende Belichtungszeiten oft unentdeckt. Auch Profiastronomen fehlten Zeit und Budget, diesen Objekten systematisch nachzuspüren – Beobachtungszeit an Großteleskopen ist kostbar.
Projektziele
Entdeckung und Analyse von Sternströmen und Zwerggalaxien um bekannte Galaxien der näheren astronomischen Umgebung. Nutzung von Amateuraufnahmen für wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn sowie Bestätigung und Analyse der Entdeckungen durch Profiastronomen.
In der Fachgruppe Astrofotografie der VdS (Vereinigung der Sternfreunde e.V.) sind zahlreiche Astrofotografen des deutschsprachigen Raums organisiert. Durch digitale Bildgewinnung, optimierte Bildbearbeitung und extreme Belichtungszeiten (teils über 40 Stunden) erreichen die Aufnahmen eine große Tiefe und Detailfülle. Durch das Zusammenfügen vieler Einzelbilder verschiedener Amateure können lichtschwache, bisher unbekannte Strukturen sichtbar werden.
Vorgangsweise
Peter Riepe (TBG-Mastermind) erstellte eine Liste potenzieller Galaxien-Kandidaten. Die Astrofotografen des Teams durchforsteten ihre Archive bzw. gewannen neue Aufnahmen. Ein Astrofotograf sammelte alle Daten und verarbeitete diese zu einem sehr tiefen Summenbild mit teils über 40 Stunden Gesamtbelichtungszeit.
Analyse
Peter Riepe analysierte und verglich die Aufnahmen mit Referenzquellen (SIMBAD, ALADIN u.a.): Sind die Objekte erfasst, bekannt, als was gelistet? Bei erkennbaren, aber unbekannten Objekten wurde die wissenschaftliche Folgeuntersuchung eingeleitet.
Dr. Igor D. Karachentsev (Special Astrophysical Observatory, Russische Akademie der Wissenschaften) übernahm die Folgeuntersuchungen mit dem BTA-6-Meter-Teleskop im Kaukasus. Durch spektroskopische Untersuchungen konnten eindeutige Nachweise erbracht werden, ob es sich um begleitende Zwerggalaxien handelt.
Ergebnisse & Beitrag AAS
Von 2015 bis 2023 konnten von der TBG-Gruppe 13 neue Begleitgalaxien und 3 Sternströme entdeckt werden. Weitere Objekte konnten durch die wissenschaftliche Folgeuntersuchung noch nicht bestätigt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass der Liste der Neuentdeckungen noch weitere Objekte hinzugefügt werden können.
An diesen Entdeckungen waren mehrere AAS-Mitglieder beteiligt, die in den wissenschaftlichen Arbeiten namentlich erwähnt wurden.
Beteiligte AAS-Mitglieder: Günter Kerschhuber, Markus Blauensteiner, Harald Strauß, Oliver Schneider, Bernhard Hubl
Ergebnisübersicht: tbg.vdsastro.de – Ergebnisse · TBG-Team: tbg.vdsastro.de – Team
Wissenschaftliche Veröffentlichungen
Publications in collaboration with the TBG group
Vollständige ÜbersichtBeispiel-Paper: NGC 7331 – Sternströme und Zwerggalaxien
arXiv:1701.00615Medienecho
AstroInfo Ausgabe 228
PDFWeiterführende Links
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Dokumentation der Himmelshelligkeit
Ausgangssituation
Das Thema Lichtverschmutzung und der Schutz des Nachthimmels ist in der Gesellschaft angekommen und akzeptiert. Die Gemeinden stehen vor der Aufgabe, für einen energieeffizienten und zweckgerichteten Einsatz der öffentlichen Leuchtmittel zu sorgen. Für Amateurastronomen ist ein dunkler Nachthimmel essenziell – auf die künstliche Aufhellung in der Region haben sie keinen Einfluss, daher ist eine Kooperation mit Interessenspartnern und Institutionen wichtig.
Projektziele
Aufbau einer Messstation zur Bestimmung der Himmelshelligkeit und Langzeitdokumentation bzw. Nutzung der Messdaten regional und international. Errichtung eines Sternenparks im Naturpark Attersee–Traunsee. Vorgabekriterium ist primär die Dunkelheit des Nachthimmels (ohne Mond) mit einem Zielwert dunkler als 21,2 mag/arcsec². Die Standortqualifizierung erfolgte durch die Universitätssternwarte Wien bei der Sternwarte Gahberg.
Vorgangsweise
Zur laufenden Messung der Himmelshelligkeit wird ein spezielles Messmittel, das Sky Quality Meter (SQM), verwendet. Die laufend gewonnenen Bilder und Daten werden gespeichert, ausgewertet und sind in einem Archiv abrufbar.
Analyse
Die Analyse ermöglicht es dem Anwender, seine Bilder und Beobachtungen mit dem „Himmel" in Bezug zu bringen. Dazu sind auch andere Parameter wichtig wie Luftfeuchtigkeit, Uhrzeit und Temperatur – diese Daten stehen ebenfalls zur Verfügung. An der Sternwarte Gahberg sind darüber hinaus auch Bilder zu den Daten verfügbar. Das ist wichtig, denn am dunkelsten ist der Himmel, wenn es bewölkt ist!
Ergebnisse
Die Messreihen ergaben, dass der Nachthimmel im Sternenpark die Vorgabekriterien erfüllt. Daraufhin wurde 2021 der erste Sternenpark Österreichs errichtet. Der Naturpark wurde darüber hinaus 2022 als „Naturpark des Jahres" ausgezeichnet.
Internationale Nutzung
Der AAS kooperiert mit Dr. Hannes Gröller (AAS-Mitglied und Forscher an der University of Arizona), welcher im Auftrag der NASA am Catalina Sky Survey zum Thema „für die Erde potenziell gefährliche Kleinobjekte" forscht. Zu diesem Zweck stellt der AAS die gewonnenen Daten vom Gahberg und künftig auch aus Namibia (Isabis Old Garden Observatory) für Langzeitanalysen zur Verfügung.
Dr. Gröller: „Wir haben zwei Hauptinteressen: Besseres Verstehen der Sky-Brightness-Variabilität – nicht nur von Menschen verursachter Lichtverschmutzung, sondern auch von natürlichen Einflüssen. Für meine Arbeit bei CSS ist das wichtig, weil ich einen Code entwickle, um die Belichtungszeiten für unsere Verfolgungsteleskope an den Lichtverhältnissen anzupassen, um letztlich diese Instrumente effizienter nutzen zu können."
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Weitere wissenschaftliche Projekte werden hier in Zukunft vorgestellt.
